Fotopirsch im Schmetterlingshaus - von Thomas Schmidt


Thomas Schmidt

Bunte Falter im Glashaus
Zoologische Gärten
für exotische Schmetterlinge
laden zur Fotopirsch ein


Afrikanischer Ritterfalter (Pharmakophagus autenor)
Ein afrikanischer Ritterfalter (Pharmakophagus autenor) ist frisch geschlüpft

Schmetterlinge sind sympathische Insekten und deshalb äußerst beliebte Fotomotive. Aber wo können wir hierzulande noch lebende Falter beobachten? Stehen doch 60 Prozent von ihnen auf der Roten Liste. Eine Möglichkeit ist der Besuch in einem Schmetterlingsgarten. Seit 1985 sind acht davon in Deutschland eröffnet worden. Hier fliegen farbenprächtige Exoten in tropischer Vegetation unter Treibhausglas. Das ist sicher allemal besser, als aufgespießt und dekorativ in Insektenkästen an Wohnzimmerwänden zu verstauben. Man mag es nun bedauern oder nicht, aber es ist bei uns eher möglich, einen tropischen Schwalbenschwanz vor die Linse zu bekommen als unseren einheimischen.

Weißling aus Malaysia (Idea leuconoe)  

Idea leuconoe, ein Weißling aus Malaysia saugt Nektar aus Wandelröschen. Er ist dreimal so groß wie unser Kohlweißling

Feuchtheiß ist es in den Schmetterlingszoos, daß schon mal Brillen und Kameralinsen beschlagen. Ist die Sicht wieder klar, sieht man vielleicht einen gelben Kometenfalter reglos an einem Bananenblatt hängen. Mit seinen lang ausgezogenen Hinterflügeln erinnert er an eine Primaballerina beim Spitzentanz. Morphos huschen als glänzend blaue Lichtblitze durchs Blattgewirr, und quirlige Passionsfalter umfliegen bunte Wandelröschen. Zum Amüsement der Besucher setzen sie sich auch mal auf Kleider und Blusen mit floralen Mustern.

Genüßlich taucht ein Citrus-Würfelfalter (Papilio demoleus) seinen Saugrüssel in eine Hibiskusblüte und saugt Nektar. Heimat dieser schön gezeichneten Schwalbenschwanzart ist Südostasien und Australien

  Citrus-Würfelfalter (Papilio demoleus)

Die Idee des Schmetterlingsgartens kam vom Briten Robert Goodey, der den englischen Hof mit Seide aus seiner Seidenspinnerzucht belieferte. Vor rund 30 Jahren weitete er die Zucht auf andere Schmetterlingsarten aus und ließ die «fliegenden Edelsteine» gegen Eintritt bestaunen. Schmetterlingsgärten vermitteln Freude an der Natur und Verständnis für biologische Zusammenhänge. Wo sonst können Kinder noch die geheimnisvolle Verwandlung vom Ei über Raupe und Puppe zum Schmetterling anschaulich erleben? Für die Schmetterlingszucht kommen nur solche Exoten in Frage, die nicht im Washingtoner Artenschutzabkommen aufgelistet sind. Bei Großlieferanten von Zuchtmaterial ist davon auszugehen, daß sie diese Bestimmungen beachten. In einem Schmetterlingszoo fliegen bis zu tausend Exemplare von 30 bis 50 Arten ... genügend Motive also, um auf «Fotopirsch» zu gehen.

Golden glänzt die Puppe des Oleanderfalters (Euploe core). Vor dem Schlupf wird die Hülle durchsichtig und läßt schon den Schmetterling erkennen

  Oleanderfalter (Euploe core), Puppe

Fotografieren im Schmetterlingsgarten

Bevor es richtig losgeht, muß sich die Kamera erst einmal an das feuchtheiße Gewächshausklima «gewöhnen»: 30 Grad, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das läßt sich abkürzen, indem Gehäuse und Linse mehrmals mit einem faserfreien Tuch vom Kondenswasser befreit werden. Die Zeit der Akklimatisierung kann man nutzen, das tropische Ambiente auf sich wirken zu lassen und die unterschiedlichen Falter in Ruhe zu betrachten. Nur so wird einem die Vielfalt ihrer Farben und Formen bewußt. Auch ist es empfehlenswert, den einen oder anderen Falter längere Zeit geduldig zu beobachten, weil man auf diese Weise einen ersten Eindruck von seinen unterschiedlichen Verhaltensweisen gewinnen kann. So wird man sehen, daß Aktivitätsphasen immer wieder mit Ruhephasen abwechseln. Besonders am späten Nachmittag oder bei bedecktem Himmel legen die Falter gerne Pausen ein. Dann ist die Gelegenheit günstig für Porträtaufnahmen.

In den meisten Schmetterlingsgärten ist die Verwendung von Blitzgeräten nicht erwünscht: zum einen, um die Falter vor dem Blitzlichtgewitter bei gehäuftem Auftreten von Fotofreunden zu bewahren, zum andern, um andere Besucher nicht zu «nerven». Die zarten Farbtöne und Muster auf den Falterflügeln kommen sowieso im Tageslicht besser zur Geltung, zumal dieses meist durch lichtstreuende Bespannungen diffus und damit «fotografenfreundlich» ist. In Muße fotografieren kann man am besten morgens, besonders am Samstag, oder spätnachmittags. Dann bevölkern nämlich nicht so viele Besucher die Schmetterlingszoos.

Wer unter den kontrollierten Bedingungen im Schmetterlingsgarten fotografiert, spart das Flugticket in die Tropen und kann in Ruhe experimentieren: verschiedene Objektive und Filme testen, mit Stativ oder aus der Hand fotografieren usw. Ich benutzte bei meiner Arbeit folgende Objektive: 50mm-Makro, 100mm-Makro, Zoom im mittleren Brennweitenbereich, 300mm-Tele. Am häufigsten verwendete ich das 100mm-Makro. Aber auch das 50er kam öfter zum Einsatz, denn die Fluchtdistanz der Falter ist häufig gering, so daß man sich ihnen auf geringe Entfernung nähern kann. Die meisten Aufnahmen habe ich aus der Hand gemacht. Nur selten benutzte ich ein Einbeinstativ. Filmmaterial waren Fuji 100 und Fuji Velvia.

Für die Motivwahl gibt es viele Möglichkeiten. So kann man sich einfach von Schönheit und Farbenpracht leiten lassen. Spezieller wäre die Konzentration auf Arten einer bestimmten Schmetterlingsfamilie, z. B. tropische Schwalbenschwänze. Oder man kümmert sich um den Aspekt der Warnung und Tarnung. Auch verschiedene Verhaltensweisen lassen sich dokumentieren, z. B. Hochzeitsflug, Paarung, Eiablage, Nektaraufnahme. Die Spezialthemen erfordern allerdings ein gewisses Einlesen in Schmetterlingsliteratur. Wer die Zeit dazu hat und häufiger einen Schmetterlingsgarten aufsuchen kann, sollte sich mal an kleine «Schmetterlingsstories» machen.

Passionsfalter (Philaetria dido)  

Ein Passionsfalter
(Philaetria dido) macht Pause

Geschichten aus dem Schmetterlingsgarten

1.) Auch beim schönsten Falter sieht man irgendwann das Alter

Schon bei den ersten Flügen nach seinem Schlupf stößt der Falter immer wieder gegen Zweige und Blätter. Teile der dünnen Flügel brechen ab. In der freien Natur beißen auch manchmal Vögel kleine Stückchen heraus. Je älter ein Schmetterling wird, desto zerzauster und zerpflückter sieht er aus. Oft bleiben von den Flügeln nur die chitinversteiften Adern übrig, und die Jammergestalt wirkt wie ein Fischgerippe. Der Falter fliegt nun zwar nicht mehr so elegant, erreicht aber noch immer die Blüten, um vom Nektar zu naschen. So kann der abgeflogene Falter sein kurzes Leben von nur drei Wochen beschließen, ohne verhungern zu müssen.

2.) Trunkenbolde und Sexprotze

Beschwipste Schmetterlinge? Alkoholisierte Männchen, die beim Hochzeitsflug vom rechten Kurs abkommen? Das gibt es tatsächlich. Der Eulenfalter aus Südamerika ist ein Beispiel dafür. Während die meisten Schmetterlinge Nektar aus den Blüten schlürfen, sind Eulenfalter Stammgäste in Bananenplantagen. Dort süffeln sie mit Vorliebe vom Saft abgefallener Bananen. Alkoholische Gärung verwandelt ihn in «Bananenlikör». Ergebnis: Der Eulenfalter bekommt «Schlagseite». Ist er wieder nüchtern, feiert er vielleicht Hochzeit. Fünf Stunden ist er damit beschäftigt. Die riesigen Atlasfalter aus Taiwan gönnen sich sogar bis zu 24 Stunden für das Liebesspiel. Manchmal wollen andere Männchen bei der Paarung dabei sein. Da kann es schon mal zu einem «flotten Dreier» kommen. So passierte es einem Schwalbenschwanzpärchen.

Als letztes noch: Wer Fotos aus Schmetterlingsgärten veröffentlichen möchte, sollte der Ehrlichkeit halber angeben, daß es sich um Gehegeaufnahmen handelt.

Literaturempfehlung:
Paul Smart: Enzyklopädie der Schmetterlinge. Gondrom Verlag, Bindlach 1995.

Fotos: Thomas Schmidt
Enthalten in
Bezaubernde Schönheiten
Die erstaunliche Welt exotischer Schmetterlinge

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